Wozu eine professionelle Rechtsübersetzung – in Zeiten von LLMs und KI? Bücher für Übersetzungen liegen in einem Stapel übereinander

Wozu eine professionelle Rechtsübersetzung – in Zeiten von LLMs und KI?

MMag. Katarina Rohsmann, MA

MMag. Katarina Rohsmann, MA

Wozu eine professionelle Rechtsübersetzung – in Zeiten
von LLMs und KI?

Wozu eine profes-sionelle Rechts-
übersetzung – in Zeiten von LLMs und KI?

Wenn der Gerichtsdiener zum Platzanweiser wird und Millionen die Währung wechseln: Warum man automatischen Übersetzungen nicht immer vertrauen sollte.

Brauche ich in Zeiten von DeepL, Google Translate, ChatGPT und Co. überhaupt noch eine professionelle Übersetzung? Kann der Computer das nicht viel schneller und billiger? Eine Juristin und Rechtsübersetzerin erklärt, warum es (wie immer) ganz drauf ankommt.

Was ist wohl gemeint, wenn eine italienische Rechtsanwaltskanzlei in ihrem Vordruck „Der Mandant nimmt seinen Wohnsitz in der Kanzlei des Rechtsanwalts“ schreibt?

Der Anwalt würde wohl kaum erwarten, dass der Mandant demnächst mit Koffer, Kind und Kegel vor der Tür steht, um im Besprechungszimmer sein Domizil zu begründen. Und tatsächlich stammt die Formulierung nicht aus einem Mietvertrag, sondern aus einer Vollmacht. Gemeint ist nämlich nicht ein Wohnsitz (domicilio), sondern ein domicilio eletto, also eine Zustellanschrift.

Eine Frage des Verwendungszwecks

Übersetzungssoftware wurde eigentlich dafür entwickelt, dass man den Sinn eines Textes allgemein erfassen kann, ohne die Sprache zu verstehen. In diesem Bereich leistet sie gute Dienste, denn ihre typischen Schwächen fallen dabei weniger ins Gewicht. Für ein grobes Verständnis ist es nicht unbedingt nötig, dass jedes Detail korrekt übersetzt wurde oder dass der übersetzte Text so klingt, wie ihn jemand in seiner Muttersprache formuliert hätte.

In anderen Fällen gehen einfache Handhabung und Geschwindigkeit vor Präzision. Nur wenige Institutionen und Unternehmen können sich den Luxus leisten, einen Profi beizuziehen, um ein E-Mail übersetzen zu lassen. Solange darin keine komplexen Zusammenhänge wiedergegeben werden, hält sich das Risiko von Übersetzungsfehlern meist in Grenzen. Zum Beispiel, wenn nur auf ein Dokument im Anhang oder ein geplantes Treffen verwiesen wird.

Anders sieht es bei juristischen Fachübersetzungen aus, bei denen jedes Wort zählt – wie etwa bei Verträgen, AGB oder amtlichen Dokumenten. Selbst wenn eine Rechtsübersetzung nicht rechtsverbindlich ist, sondern nur der Information dient, machen Fehler keinen guten Eindruck. Oft versteht man zwar trotzdem ungefähr, was gemeint war – doch Übersetzungsfehler können auch irreführend, lächerlich oder sogar anstößig wirken.

„Flüssig“ heißt noch lange nicht „korrekt“

Viele Menschen denken, dass automatische Übersetzungen mittlerweile so gut sind, dass man sie (allenfalls nach einer groben Durchsicht) bedenkenlos verwenden kann. Der Grund dafür ist, dass man den meisten maschinellen Übersetzungen heute nicht mehr auf den ersten Blick anmerkt, dass sie nicht von einem Menschen gemacht wurden.

Doch diese scheinbare Perfektion ist trügerisch: Die flüssigen Formulierungen täuschen darüber hinweg, dass automatische Übersetzungen alles andere als fehlerfrei sind. Zu den häufigsten Problemen zählen falsch verwendete Fachbegriffe, halluzinierte („dazuerfundene“) und fehlende Textteile und wörtlich übersetzte formelhafte Ausdrücke, die in einer anderen Sprache keinen Sinn ergeben. Da wird der englische Laienrichter (magistrate) zum (Wiener?) Magistrat und der Gerichtsdiener (usher) wird zum „Platzanweiser“ degradiert.

Es kann aber auch passieren, dass die KI mit der Vertragssprache auch gleich die Währung „übersetzt“ und eine Million Euro stillschweigend in eine Million Dollar „verwandelt“. Oder, dass in der Übersetzung ein Absatz fehlt, der von der Software beharrlich ignoriert wurde. Auch komplexe logische Zusammenhänge in langen, verschachtelten Sätzen werden oft falsch wiedergegeben.

Wer findet die verstecken Fehler?

Viele Fehler fallen bei der groben Durchsicht einer automatischen Übersetzung gar nicht auf, weil die Übersetzung flüssig klingt und man selbst mit den fremdsprachigen Begriffen nicht im Detail vertraut ist. Aber wenn man genau hinsieht, findet man in fast jeder automatischen Fachübersetzung mehr oder weniger gravierende Fehler. Je länger und komplexer dies Sätze und je spezialisierter die Fachterminologie, umso öfter scheitert die Software an der korrekten Wiedergabe.

Das Problem bei der Sache: Ohne ausgezeichnete Fach- und Sprachkenntnisse kann man die Qualität einer maschinellen Übersetzung nicht beurteilen. Denn nur, weil sie plausibel klingt, ist sie noch lange nicht korrekt. Und nur, weil eine Software gestern bei einem Text sehr gute Ergebnisse geliefert hat, bedeutet das nicht, dass sie es heute bei einem anderen Text wieder tut.

Bei automatischen Übersetzungen ist es ein bisschen wie bei den Zeichnungen, bei denen es heißt: „Finde die 10 Fehler“. Nur weiß man nicht, wie viele Fehler sich darin verstecken und wie schwerwiegend sie sind. Verwendet man regelmäßig Übersetzungsprogramme, ist die Frage nicht, ob man irgendwann einen Fehler übersieht, sondern wann es passiert und was die Folgen sind. Im besten Fall löst der Fehler nur ein Schmunzeln oder Stirnrunzeln aus – im schlimmsten Fall einen Rechtsstreit.

Und was sagt die KI dazu?

Ich habe meinen KI-Assistenten Claude gefragt, ob in Zeiten von KI noch Bedarf an professionellen, menschlichen Rechtsübersetzungen besteht. Claudes Antwort: KI wird die Arbeit von Rechtsübersetzer*innen „verändern, aber nicht ersetzen“.
Claudes Begründung:

„Was KI (noch) nicht kann:

  • Rechtssysteme wirklich verstehen und ihre Unterschiede angemessen übertragen

  • Terminologische Feinheiten in hochspezialisierten Rechtsgebieten zuverlässig erfassen

  • Den konkreten Verwendungszweck und die Zielgruppe einer Übersetzung berücksichtigen

  • Verantwortung für rechtlich relevante Übersetzungen übernehmen

  • Beziehungen zu Mandanten aufbauen und ihre spezifischen Bedürfnisse verstehen“

Außerdem schrieb das KI-System, ich sollte besser nicht „professionelle, menschliche Übersetzung“ schreiben, sondern einfach nur „professionelle Übersetzung“, denn diese Formulierung „impliziert bereits die menschliche Komponente.

Wann sollte man in eine professionelle Humanübersetzung investieren?

Die Entscheidung liegt bei Ihnen – nur Sie selbst können beurteilen, wie wichtig die Qualität der Übersetzung im Einzelfall ist, wie vertraulich die darin enthaltenen Informationen und wie groß das Risiko von Übersetzungsfehlern. Ich kann Sie aber dabei unterstützen, die richtige Antwort zu finden.

Hier einige Fragen, die Ihnen bei der Entscheidung helfen können:

  • Für wen ist die Übersetzung gedacht und wozu soll sie dienen? Bloß zum groben Verständnis, zur präzisen Analyse oder gar zur Veröffentlichung?
  • Bei Verträgen: Ist nur der deutsche Text rechtsverbindlich oder (auch) die Übersetzung?
  • Wie lange soll die Übersetzung im Einsatz sein? Soll eine Vertragsvorlage jahrelang verwendet werden oder gilt der Grundsatz "heute gelesen, morgen vergessen"?
  • Welche Risiken sind mit Übersetzungsfehlern verbunden? Besteht die Gefahr von Rechtsstreitigkeiten und wenn ja, um welche Beträge geht es?
  • Was würde passieren, wenn die Übersetzung lächerlich oder anrüchig wirkt?
  • Enthält der Text vertrauliche Informationen, Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse oder personenbezogene Daten? Wie viel Aufwand wäre es, diese Informationen zu entfernen?
  • Wie rechtlich und sprachlich komplex ist der Text?
  • Handelt es sich um häufige oder seltene Sprachen? Achtung: Die österreichische Rechtssprache zählt in diesem Kontext (eher) zu den seltenen Sprachen!
  • Wie wichtig ist es, dass die korrekte Fachterminologie eines bestimmten Landes verwendet wird (etwa: österreichisches Deutsch)?
  • Und nicht zuletzt: Habe ich genügend Zeit, um die Übersetzung Zeile für Zeile mit dem Original zu vergleichen? Habe ich dafür auch die nötigen Sprachkenntnisse?
  • Und selbst wenn ich es mir zutraue, automatische Übersetzungen selbst auf Herz und Nieren zu prüfen: Könnte ich meine Arbeitszeit anders sinnvoller einsetzen?

Sind Sie noch unsicher, ob sich professionelle Unterstützung auch lohnt?
Ich berate Sie gerne kostenlos.

Ihre Rechtsübersetzung in sicheren Händen

Benötigen Sie eine juristische Fachübersetzung aus dem Englischen, Französischen oder Italienischen ins Deutsche oder aus dem Deutschen ins Englische?

Als Juristin für das österreichische Recht mit über zehn Jahren Berufserfahrung und ausgebildete Übersetzerin sorge ich mit meiner Fach- und Sprachexpertise für Ihre Übersetzung. Ich kenne dabei beide Seiten: Als Juristin habe ich selbst Übersetzungen beauftragt und weiß daher genau, worauf es Kund*innen bei Rechtsübersetzungen ankommt.

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