
Vom Meißel zum CAT-Tool: Ein kleiner Ausflug in die Geschichte der Rechtsübersetzung

MMag. Katarina Rohsmann, MA
Vom Meißel zum CAT-Tool: Ein kleiner Ausflug in die Geschichte der Rechtsübersetzung
Vom Meisel zum CAT-Tool: Ein kleiner Ausflug in die Geschichte der Rechtsübersetzung
Wussten Sie, dass das Übersetzen und Dolmetschen zu den ältesten Berufen überhaupt zählt? Kommunikationsbarrieren zwischen Menschen mit verschiedenen Muttersprachen zu überbrücken, war schon in der Antike eine unverzichtbare Aufgabe. Die dafür eingesetzte Technik veränderte sich im Lauf der Jahrtausende – der Meisel wurde abgelegt und durch Pergament und Tinte ersetzt. Später folgten Computer mit CAT-Tools (was das ist, erfahren Sie später…). Und auch in Zeiten der Maschinellen Übersetzung werden professionelle Rechtsübersetzer*innen immer noch benötigt…
Als Rechtsübersetzerin mit juristischer Ausbildung und Berufserfahrung arbeite ich an der Schnittstelle von Sprache und Recht. Benötigen Sie eine Rechtsübersetzung aus dem Englischen, Französischen oder Italienischen ins Deutsche oder aus dem Deutschen ins Englische? Kontaktieren Sie mich für ein unverbindliches Angebot!
1271 vor Christus: Die Geburtsstunde der Rechtsübersetzung
Woran denken Sie als erstes, wenn Sie ein Foto des Tempels von Amun Re in Karnak sehen? Urlaub in Ägypten? Hieroglyphen? Geschichtsunterricht? Als Rechtsübersetzerin denke ich mir: Was für ein geschichtsträchtiger Beruf!
Denn bei der Inschrift auf der Tempelmauer handelt es sich um die älteste bekannte Rechtsübersetzung – zumindest, wenn es nach dem Standardwerk zum Thema Rechtsübersetzung von Susan Šarčević geht. Sie stammt aus dem Jahr 1271 vor Christus und ist die ägyptische Fassung des ägyptisch-hethitischen Friedensvertrags. Man kann sich gut vorstellen, welcher Aufwand es gewesen sein muss, die meterhohen Schriftzeichen in die monumentalen Tempelmauern zu meißeln.
Wahrscheinlich zeichnete sich für die Ausführung des Werks auch nicht der historische Rechtsübersetzer selbst verantwortlich. Doch die Qualität der Bauausführung spricht für sich: immerhin sind die Zeichen auch nach 3 296 Jahren noch relativ gut lesbar – vorausgesetzt, man versteht Altägyptisch.
Übersetzen im Mittelalter: Ein Katz- und Mausspiel
Die Mönche, die sich im Mittelalter der Übersetzung antiker Werke widmeten, hatten es da schon einfacher – zumindest mussten sie für ihre Arbeit nicht auf meterhohe Gerüste klettern. Dafür stellten sich in den Schreibstuben hinter den Klostermauern andere Herausforderungen. Wussten Sie, dass die unbedruckten Buchränder historisch unter anderem den Zweck hatten, den Text vor Mäusen zu schützen? So konnten die Nager das Pergament in Ruhe anknabbern, ohne den beschriebenen Bereich in der Seitenmitte zu beschädigen. Auch Katzen sollten helfen, die Mäuseplage in Zaum zu halten – und hinterließen auf so manchem Werk mit Tinte gefärbte Pfotenabdrücke. Welche Spuren der zahme Löwe, der dem Bibelübersetzer Hieronymus Gesellschaft geleistet haben soll, hinterlassen hat, ist nicht überliefert.
Von der mechanischen Schreibmaschine zum CAT-Tool
Waren Meisel, Schreibfeder und Tintenfass erst einmal in der Abstellkammer der Geschichte verstaut, ging es mit der technischen Entwicklung immer schneller. Innerhalb weniger Jahre wurden mechanische Schreibmaschine mit Durchschreibepapier von elektrischen Geräten mit Speicherfunktion und wenig später von Computern abgelöst – zunächst noch ohne Internetanschluss. In den 80er Jahren kam das erste CAT-Tool auf den Markt und revolutionierte die Arbeit der Übersetzer*innen.
Nein, dabei handelt es sich nicht schon wieder um einen Vierbeiner, sondern um eine Übersetzungssoftware (sog. Computer-Assisted Translation, computerunterstützte Übersetzung). Zentrales Element ist ein Übersetzungsspeicher (Translation Memory), der bereits übersetzte Segmente (zumeist einzelne Sätze) speichert und zur Wiederverwendung bereithält. Ein gut gepflegtes Translation Memory spart beim Übersetzen viel Arbeit und steigert zugleich die Qualität, denn anders als maschinelle Übersetzungen („Computerübersetzungen“) wurden die Übersetzungen von Menschen angefertigt und qualitätsgesichert.
3296 Jahre – und was nun?
Für Außenstehende wirkt es oft so, als wären maschinelle Übersetzungen eine technologische Revolution, die menschliche Übersetzungen bald vollkommen unnötig machen werden. Aber stimmt das auch? Kurz gesagt: Egal ob Meisel, Gänsefeder oder Übersetzungssoftware – das beste Werkzeug ist nutzlos, wenn man nicht weiß, wie man es richtig bedient. Das gilt für die mit kostbaren Buchmalereien verzierten Übersetzungen des Mittelalters genauso wie für die Technologien des 21. Jahrhunderts.
Wer versucht, Zeit und Kosten zu sparen, indem er statt einer ausgebildeten Expertin ein Computerprogramm befragt, nimmt damit das Risiko potenziell schwerwiegender Übersetzungsfehler in Kauf. Mehr dazu lesen Sie in meinem Blogeintrag zum Thema.
Qualifizierte Rechtsübersetzer*innen sind nicht durch Technik ersetzbar
Wenn allen Beteiligten klar ist, dass die Übersetzung unverbindlich ist und nur der Information dienen soll, kann man sich mit einem Haftungsausschluss behelfen. Wollen Sie hingegen sicher sein, dass Ihre Übersetzung wirklich korrekt, klar und präzise ist, sind qualifizierte Rechtsübersetzer*innen nach dem heutigen Stand der Technik nicht ersetzbar. Der Fortbestand des Berufs ist also – zumindest bis auf weiteres – gesichert.
Foto: Olaf Tausch, CC BY 3.0
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